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Freitag, 5. Oktober 2007

Tintentod (Buch)


Handlung

Tintentod ist der letzte Teil der Tintenherz-Trilogie, die mit dem Buch Tintenherz ihren Anfang nahm. Das Buch beginnt da, wo Tintenblut, das zweite Buch, endete - nach Staubfingers Tod. Mo, Meggie und Resa sind immer noch in Fenoglios Tintenwelt, dem Autor des Buches, um das sich alles dreht, Tintenherz. Meggies Großtante Elinor, eine ältere dicke Frau, deren Bücher für sie das wichtigste in der Welt waren, bis Mo, Meggie und Resa zu ihr gekommen sind, sitzt immer noch zu Hause, schlecht gelaunt, woran auch Darius, ihr Helfer und Freund, nichts ändern kann. Seit Wochen sind ihre Verwandten nämlich schon in der Tintenwelt, zusammen mit einem Mann namens Orpheus, der wie Mo und Meggie die Fähigkeit besitzt, Dinge und Menschen aus Büchern zu lesen. Orpheus ist es gelungen das letzte Exemplar von Tintenherz an sich zu reißen, mit dessen Hilfe er die Tintenwelt nach belieben verändern kann. Denn er kann nicht nur Worte lebendig werden lassen, sondern auch selber Dinge zur Tintenwelt hinzudichten, mit Fenoglios Wörtern. So kommt er in der Tintenwelt zu ungeheurem Reichtum und Ansehen bei den Fürsten. Während die Räuber um den Eichelhäher, ein Raüber, dessen Rolle Mo übernimmt, und dem König der Spielleute, dem Schwarzen Prinzen versuchen, den Fürsten ihre Pläne zu durchkreuzen, lockt die Prinzessin von Ombra, Violante, Mo auf die Burg, um ihm für einen waghalsigen Plan zu gewinnen. Doch kann Mo der Prinzessin wirklich trauen?

Die Charaktere und ihre Geschichten


Mortimer
ist Meggies Vater und wird von ihr nur Mo genannt. Durch einen Zufall wurde er in der Tintenwelt zum Räuber Eichelhäher, der den Frauen und Kindern in Ombra neue Hoffnung bringt. Früher war Mo ein Buchbinder. Seine Liebe zu Büchern brachte ihn dazu. Weil er Wörter zum leben erwecken kann, taufte Staubfinger (unten mehr) ihn auch Zauberzunge. Am Ende des zweiten Buches band Mo dem Natternkopf, der dunkle Fürst der Tintenwelt, ein leeres Buch, dass den Natternkopf unsterblich machte. Nun hilft Mo dem Schwarzen Prinzen für Gerechtigkeit zu sorgen.

Meggie
ist die Tochter von Mo und Resa. Wie ihr Vater kann sie Dinge aus Büchern herauslesen. Sie kam schon vor ihren Eltern in die Tintenwelt zusammen mit Farid, den sie liebt. Meggie liebt ihren Vater über alles, zu ihrer Mutter hat sie allerdings ein eher angespanntes Verhältnis. Kein Wunder, die beiden kennen sich noch nicht lange, weil Resa vor vielen Jahren von Mo in das Buch gelesen wurde, als Meggie noch sehr jung war.

Resa
sorgt sich um Mo, sieht seinen Wandel zum Eichelhäher mit großer Skepsis. Sie erwartet ihr zweites Kind und will es unbedingt in "ihrer" Welt aufziehen, doch Mo hat sich in die Tintenwelt verliebt und will ihre Geschichte weitererzählen, mit Taten anstatt mit Worten.

Staubfinger
, auch Feuertänzer genannt, wurde von Mo aus Tintenherz gelesen. Er gehört zu den Spielleuten, die vom Schwarzen Prinzen angeführt werden, und versteht es, mit den Flammen zu reden, die ihm gehorchen. Am Ende des zweiten Teils stirbt Staubfinger für Farid, um ihn vorm Tod zu bewahren.

Farid
ist aus den Geschichten aus 1001 Nacht. Auch er verdankt es Mo, dass er nicht mehr in seiner Geschichte ist. Er ist von Staubfinger fasziniert und wird dessen Schüler. Bald schon hat er gelernt, mit den Flammen Dinge anzustellen, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht hatte. Weil er Staubfinger über alles liebt, bittet er Orpheus Staubfinger zurückzulesen. Dafür bietet er ihm seine Dienste an. So verlässt er Meggie, um den Feuertänzer irgendwann wiederzusehen.

Orpheus
ist ein Hochstapler, der sich in Fenoglios Geschichte verliebt hat. Seine Lieblingsfigur ist Staubfinger, von dessen frühen Tod in Tintenherz er sehr betrübt war. Angekommen in der Tintenwelt will er Staubfinger zurückholen und ihm eine angemessene Rolle schneidern. Doch zuerst einmal sorgt er für einen ungeheuren Wohlstand und verbündet sich mit den bösesten Personen und dunkelsten Gestalten der Tintenwelt. Seine Unterwürfigkeit nutzt er als Tarnmantel, da er in Wirklichkeit die Fäden der Geschichte zieht, das denkt er jedenfalls. Erleichtert wird ihm seine Dichterei, weil Fenoglio, der ebenfalls in seiner Welt sitzt, nicht mehr schreibt.

Fenoglio
ist der Autor von Tintenherz. Er kam als erster von den Fremden in die Tintenwelt. Von seinem Werk ist er auch in dunkelsten Zeiten fasziniert und unglaublich stolz auf sich selbst. Zuerst schrieb er auch eifrig an der Geschichte weiter. Doch die Geschichte ließ sich nicht so einfach beherrschen und Fenoglios Idee arteten im reinsten Chaos aus. So entschloss er sich dazu nichts mehr zu schreiben, er verlernt es sogar. Doch in der schlimmsten aller Zeiten, muss er wieder mit seiner Feder helfen...

Fazit (
Dos Corazones)

Nach Tintenherz und Tintentod, war für mich eines klar: Du musst Tintentod auf jeden Fall lesen. Waren die ersten Bücher gut, so ist Tintentod der absolute Höhepunkt der Trilogie. Die Geschichte wird natürlich ohne Federlesen weitererzählt. Totgeglaubte spielen auf einmal wieder eine große Rolle, die Dichter Orpheus und Fenoglio werden zu großen Rivalen um das Ende der Geschichte. Die Geschichte handelt von Verrat, Intrigen und Geheimnissen bis hin zu Liebe und Hass. Sogar Humor hat die Autorin Cornelia Funke in das Buch gebracht - eine unglaubliche Mischung. Die Faszination der Tintenwelt und ihrer gemeinen und liebvollen Charaktere ziehen einen als Leser einfach nur in den Bann. Für diejenigen, die die ersten beiden Bücher schon gelesen haben, müsste ich hier nichts mehr hinzufügen. Für die anderen kann ich nur sagen: Lesen Sie die Bücher! Für mich ist Tintentod nicht nur ein würdiger Anschluss einer Geschichte, sondern ein Meilenstein.
Ganz klar,
Tintentod ist das Buch des Jahres. Ja, sogar besser als der Abschluss von Harry Potter. Volle 10 von 10 Punkten für das Buch.

(dc)

Donnerstag, 2. August 2007

Harry Potter and the Deathly Hallows (Buch)

Wie soll man eine Einleitung zum siebten und letzten Teil der wohl wichtigesten Buchreihe der letzten Jahrzehnte schreiben? Man könnte erläutern, warum sie so wichtig ist, erzählen, dass die Autorin, Joanne K. Rowling, junge Menschen wieder zum Lesen animiert hat. Das glauben Sie nicht, dann haben sie wohl keinen der vielen Berichte über den Erstverkaufstag gelesen.
Allerdings - obwohl eigentlich ein Jugendbuch - fand die Reihe auch viel Anklang bei Erwachsenen, was zweifellos mit den tollen und tiefgründigen Charakteren zu tun hat. Außerdem ist die Gewaltdarstellung und Handlung, besonders im letzten Band eher für Erwachsenen geeignet als für Kinder.

Aber was sage ich hier. Das weiß man alles doch.

Nun gibt es den The Deathly Hallows ja schon seit einiger Zeit, dennoch spare ich mir hier Spoiler. Immerhin liest nicht jeder die englische Version und würde sich gerne auch in der deutschen Übersetzung überraschen lassen.

Also zur Geschichte (obwohl ich mir das eigentlich auch sparen könnte): Harry hat von Dumbledore die fast unmögliche Aufgabe bekommen, die verbleibenden Horkruxe (Seelensplitter Voldemorts, die seinen entgültigen Tod verhindern) zu finden und zu zerstören. Außerdem muss er sich Voldemort einem tödlichen Duell stellen. Denn keiner kann überleben, während der andere lebt (oder war es andersherum?). Ron und Hermine stehen ihm, wie auch schon im sechsten Band angekündigt, zur Seite und begleiten ihn auf der gefährlichen Reise.
Charaktere: Hier hat sich Rowling selbst übertroffen, jeder Charakter gewinnt an noch mehr Tiefe als es sowieso schon der Fall war. Dumbledore und Snape profitieren davon am meisten, ihre Motivationen werden so genau beschrieben, dass die gesamte Geschichte (auch im Hinblick auf frühere Bände) vollkommen klar wird. Außerdem wird auch in ihre Vergangenheit geblickt, die sie so noch menschlicher werden lassen.

Sprachlich ist das Buch ähnlich aufgebaut wie seine Vorgänger. Allerdings sterben in The Deathly Hollows weit mehr Charaktere als in allen anderen Büchern zusammen (hat jetzt nicht direkt mit der Sprache zu tun). Da kann man echt traurig werden. Auch andere ernste Themen als der Tod werden hier verstärkt behandelt, wie Antisemitismus und Krieg. Aber es wird auch an vielen Stellen sehr kitschig und schon fast unglaubwürdig, wie die Beziehung zwischen Harry und Ginny, die die meiste Zeit über eigentlich gar nicht besteht oder der plötzliche und sehr intensive Kuss zwischen Ron und Hermine mitten im Kampf. Immerhin humorisiert Rowling diese Szene mit der Frage Harrys, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt für diese Zärtlichkeit sei. Diese Art von Humor rettet den Band über so manche sprachliche Peinlichkeit, aber nicht immer.
Mir persönlich gefällt die Dritte Reich Thematik und die Belehrung, weil es wirklich auf den Leser wirkt, wenn eine verzweifelte, muggelgeborene Frau ihre Peiniger anfleht, ihr den Zauberstab und die Erlaubnis zu zaubern nicht zu entreißen. Klar, ältere Leser haben das alles schon tausendmal gehört und wissen auch wie schlimm die Nationalsozialisten waren, aber es kann nicht schaden es auch den jüngeren Menschen nahe zu bringen.

Fazit:

Ich liebe Harry Potter, habe jedes Buch mindestens zweimal gelesen und mir die Hörbücher wahrscheinlich tausendmal zu Gemüte geführt. Und jetzt soll das alles zu Ende sein, nie wieder ein neuer Potter, nie wieder die prickelnde Vorfreude Tage vor der Veröffentlichung, nie wieder das Gefühl, dass ich eine echte Geschichte erlebe, die Rowling für die Menschheit aufs Papier gebannt hat.
Nie wieder über Fred und Georges Witze und Streiche lachen, beim Lesen die Zaubersprüche in meinem Kopf wiederhallen hören, mit den Charakteren gemeinsam zu leiden, zu trauern, mich mit ihnen zu freuen.
Aber zumindest ist Harry Potter And The Deathly Hallows ein mehr als würdiger Abschluss für diese Ära. Es ist sogar das beste Buch der Reihe, da es Leerlauf gänzlich wegfällt. Dumbledore ist nicht mehr der unfehlbare, allwissende Übermensch, der den perfekten, uneigennützigen Freund darstellt. Ron versteht plötzlich wie Mädchen ticken und Harry verliert in Anbetracht seiner gewaltigen Aufgabe auch schon mal den Mut. Ich kann meine Faszination gar nicht in Worte fassen (auch weil ich dann zu viel von der Geschichte verraten würde). Es sind die vielen Kleinigkeiten, die den Leser begeistern; sich mit den Charakteren verbunden fühlen. Da ist es eigentlich unwichtig, ob Harry überlebt oder nicht. Obwohl ... nein, das stimmt nicht.

Harry Potter and the Deathly Hallows ist der Höhepunkt der Reihe und zieht den Leser bis zur letzten Seite in seinen Bann. Das schafft kaum ein anderes Buch. Deshalb vergebe ich 9 von 10 Punkten, da mir einige Klischees doch ziemlich missfallen.
Übrigens, ich glaube auch nicht, dass es das mit dem Harry Potter Universum war. Selbst wenn es nicht Harry als Protagonist ist, gibt es doch ein gutes halbes Dutzend Charaktere, die die Geschichte weitererzählen könnten.

Fazit (Dos Corazones)

Wenn eine Geschichte abgeschlossen wird, stellen sich viele Fragen. warum ist das passiert? Was wird nun aus dem? Wie konnte das passieren? In Harry Potter and the Deathly Hallows (auf dt. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes) werden diese Fragen beantwortet, denn mit dem siebten Buch wird die Geschichte um den jungen der überlebt hat zu Ende erzählt. Joanne K. Rowling macht es ganz geschickt. Zuerst ist das Buch sehr spannend und fesselnd, obwohl es danach (für mich zumindest) einen Durchhänger in der Geschichte gab, konnte ich meine Nase nicht aus dem Buch ziehen. Rowling schafft es den Leser bis zur letzten Seite, zum letzten Satz, zum letzten Wort an das Buch zu fesseln. So etwas habe ich zuvor noch nicht erlebt. Wenn man die Geschichte um den jungen Zauberer nicht kennt, ist das Buch nicht gerade die beste Lektüre, aber ein neuer Grund die vorherigen sechs Bände zu lesen. Ich verrate natürlich nichts, aber ich denke, dass niemand mit den Begebenheiten gerechnet hat, die sich gen Ende des Buches ereignen. Ansonsten ist alles von dem Grafen gesagt worden. Wer sich nicht das englische Buch antun will, oder nicht über genug Kenntnisse verfügt, muss noch bis zum 27. Oktober 2007 warten - denn dann erscheint die deutsche Übersetzung des letzten Bandes.
Super Buch, das jeder Fan von Fantasy-Romanen gelesen haben sollte - ein Meisterwerk; 9 von 10 Punkten.

Montag, 2. Juli 2007

Sanctum (Buch)


Handlung

Nachdem das Kloster der Äbtissin Gregoria gänzlich vom Feuer vernichtet wurde, das der Legatus aus Rom gelegt hatte, entkam Gregoria den Flammen nur knapp und mit schweren Verbrennungen, die jeden anderen Menschen getötet hätten. Doch durch eine Flüssigkeit, die sie dem Legaten abnehmen konnte, wurde sie vollkommen genesen. Um sich selbst zu schützen suchte sie Schutz bei einer Hugenottenfamilie, wo sie keiner vermutet hätte.
Jean hatte seinen Sohn Antoine, eine Bestie, getötet. Doch er wusste, dass es nicht die einzige gewesen sein konnte. Am Ende von Ritus begibt er sich auf die Jagd der zweiten Bestie, die sich als der Comte Francois de Molette, der Sohn des Marquis, herausstellt. Der Marquis unterstützt Jean bei der Suche seines Sohnes, um den Fluch zu beenden, der auf seiner Familie lastet. Jean begibt sich nach Rom, wo der Comte vermutet wird. Gregoria macht sich ebenfalls auf den Weg in die ewige Stadt, um den Papst auf die Bestien im Gévaudan hinzuweisen, und auf den Verrat des Legaten. Gab es in Ritus nur zwei Handlungstränge, die des Jägers Jean Chastel im Jahr 1764 und Eric von Kastell in der heutigen Zeit 2004, so gibt es in Sanctum drei, zusätzlich noch den der Äbtissin Gregoria. Letzterer geht zwischenzeitlich allerdings in Jeans Handlungstrang auf.
Eric macht sich im Jahre 2004 auch auf den Weg nach Rom, wo er sich mit einer Schwesternschaft in Verbindung setzen soll. Zu dieser gehörten auch die zwei Nonnen, die er in Kroatien in Ritus tötete. Seine Freundin Lena wurde von diesem Orden entführt, um sie von der Bestie zu befreien. Eric soll als Gegenleistung für seine Heilung, den letzten Welpen eines Werwolfs zum Orden bringen.

Was sich in Ritus durch den Jäger Malezky andeutete, kommt in Sanctum die Gewissheit: Es gibt mehr Wandelwesen als nur in einer Wolfsgestalt. Ein Orden von Geistlichen bekämpft das Böse, aber nicht mit Silber, sondern mit einer Substanz, die von Gottes Sohn zurückgeblieben ist, das Sanctum, auf Deutsch: das Opfer. Diese Flüssigkeit hat eine ungeheure Macht, die die Wandelwesen von ihrer Gestalt retten kann, die Menschen stärken kann, ähnlich wie die Bestien, oder die Menschen, die es einnehmen, töten kann.
Sowohl Gregoria und Jean, als auch Eric werden die Wirkung des Sanctums erleben, auf welche Weise auch immer.

Fazit:

Sanctum ist die Fortsetzung eines ganz exzellentem Buches, Ritus. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an dieses Buch. Ich wurde an manchen Stellen enttäuscht, an anderen positiv überrascht.
In Ritus gefielen mir die actionreichen Kapitel mit Eric von Kastell sehr gut, die, die im Jahre 1764 spielten, weniger. Das hat sich in Sanctum komplett geändert. Die Handlungen von Jean und Gregoria entwickelt sich einfach besser. Außerdem kommen immer mehr Verbindungen zwischen den drei/zwei Handlungsträngen zu Tage. Wie auch in Ritus hat Markus Heitz wahre Begebenheiten in seine Geschichte einfließen lassen, die perfekt ins Gesamtbild passen.
Erics Geheimnis, weshalb er solch übermenschlichen Kräfte besitzt, wird gelüftet. Sein Charakter wird dem Leser anfangs sogar sehr viel näher gebracht, als im gesamten ersten Buch. Allerdings spielen zum Ende hin fast nur noch Schießereien in seinen Kapiteln ab, die aber sehr gut erzählt sind. Wendungen und Überraschungen gibt es immer wieder.
Ich gebe dem Buch 9,5 von 10 Punkten, mit einer ganz besonderen Empfehlung für Fantasy- und Horror-Fans.

Eines noch zum Schluss: Ritus zuvor lesen ist Pflicht!

(dc)

Freitag, 29. Juni 2007

Der letzte Wunsch (Buch)

Cover von der Seite des Verlags (dtv)


Was könnte einen Verlag dazu verführen, ein Buch neu aufzulegen? Wie wäre es, wenn es bald ein Spiel zu Geralt, Held der Witcher-Reihe des polnischen Autors Andrzej Sapkowski, auf den Markt kommt? Da lässt sich bestimmt was verdienen. Und ich hoffe es, damit die Fortsetzungen auch veröffentlicht werden.





Kein strahlender Held

Wir kennen das Prinzip aus Fantasy-Büchern: Held - meistens mittelloser Bauer oder ähnliches - wird durch das Schicksal an einen großen Auftrag gebunden (z.B. Ring ins Feuer werfen, bösen Drachenreiter töten usw.), ist Mittelpunkt in einer epischen Geschichte um Gut und Böse und ist letztendlich siegreich . In Der letzte Wunsch, erster Band der Geralt-Saga, verhält sich das ein bisschen anders. Geralt von Rivien ist ein Hexer, eine Art Kopfgeldjäger, der für Geld die Bewohner der Welt von den wachsenden Monstermassen befreit. Uneigennützigkeit ist ihm ein Fremdwort. Um für den Kampf gegen die oft gefährlichen Monster gewappnet zu sein, werden die Hexer in ihrer Hochburg, Kaer Morhen, durch hartes Training und der Einnahme von Tränken zu Kampfmaschinen ausgebildet werden. Geralt ist der Einzige, der eine besondere Art von Mutation überlebte. Nebenwirkungen, wie völliger Pigmentausfall, sind ein geringer Preis für diesen Eingriff. Jetzt kann er auch in Dunkelheit perfekt sehen und beherrscht - nicht zuletzt - das Schwert wie kein anderer. Allerdings ist Geralt kein einfacher Schlächter, kein einfacher Actionheld, der ohne Erbarmen mordet. Er ist menschlich, verliert in Panik den Kopf und handelt unüberlegt, er ist clever, empfindet Liebe und hat moralische Grundsätze. Dabei ganz oben: Keine Menschen für Geld töten. Das alles macht Geralt zu einer höchst interessanten Person, deren Charakter oft zwischen Weisheit über Brutalität bis hin zu kindlichen Frohmut schwankt. Erfrischend.

Wo ist der rote Faden?

Eine klare Struktur lässt sich in der Erzählweise leider nicht erkennen. Das Buch besteht hauptsächlich aus lose zusammenhängenden Kurzgeschichten, in denen Geralt seinen Freunden von seinen Erlebnissen erzählt. Der rote Faden läuft in den recht kurzen Kapiteln "Stimme der Vernunft". Epik kommt hier nicht auf. Aber das braucht "Der letzte Wunsch" auch nicht. Es sieht sich mehr als Charakterstudie des Hexers, was auf jeden Fall gelungen ist. Generell gibt es keine einfache Schwarz-Weiß-Malerei, wie sie selbst in Der Herr der Ringe zu finden ist. Zwar erweckt Sapkowski zu Beginn Geralts Abenteuer diesen Verdacht, doch zeigt sich im Laufe der Erzählung, wie falsch der Leser mit dieser Vermutung liegt. Aus dem gnadenlosen Mädchen, das aufgrund seiner Grausamkeit für ein Monster gehalten wird, wird eine Frau, die sich für die Ungerechtigkeit, die an ihr verübt wurde, rächen will.

Meine Meinung:

Sapkowski hat mit seiner Geralt-Saga eine lebendige, dunkle Welt geschaffen, die sich Motiven der europäischen Märchen bedient. Mir persönlich gefällt der Aufbau in Kurzgeschichten sehr gut. Allerdings wird es auch viele Leser geben, die eine Geschichte erwarten, die einem klaren roten Faden folgt. Diese werden von Der letzte Wunsch maßlos enttäuscht sein.
Dennoch bietet das Buch einiges, was ich mir in jedem Buch wünschen würde: Einen coolen, trotzdem menschlichen, Helden und der Verzicht auf Schwarz-Weiß- Malerei. Außerdem verfügt Sapkowski über einen einzigartigen Erzählstil, der sich besonders in den Dialogen ausdrückt. Nie zuvor habe ich so perfekt ausgearbeitete wörtliche Auseinandersetzung in Büchern erlebt, die sowohl rasant, als auch lustig sind.
Deshalb vergebe ich 8,5 von 10 Punkten und hoffe, dass auch die Fortsetzungen veröffentlicht werden.

Hier geht's zur Internetseite des Verlags

Sonntag, 17. Juni 2007

Ritus (Buch)


Handlung

1764: Im Gévaudan streift ein Monster umher. Der Jäger Jean Chastel hat den Auftrag, das Ungetier zu erledigen, angenommen. Mit seinen Söhnen Antoinne und Pierre verfolgt er eine Spur dieses Monsters. Als das Monster wie aus dem nichts angreift, verletzt es Antoinne und Pierre schwer. Dennoch schaffen es die drei Jäger das Ungetier zu töten.
Es war ein Loup-Garou, ein Werwolf. Diese Erkenntnis trifft Jean hart, denn seine Söhne wurden von dem Gift des Loup-Garous ebenfalls zu jenen monströsen Geschöpfen des Bösen.

2004: Der junge Mann Eric Kastell bekämpft die Ausgeburten des Bösen auf sich allein gestellt. Sein Vater, der ihm bei der Vernichtung der Werwölfe unter die Arme gegriffen und ihm alles gelehrt hatte, was er über diese Wesen wusste, wird bei einem Überfall auf sein Haus getötet.
Ganz alleine deckt Eric eine Verschwörung auf, die auch ihn zum ersten Mal in seinem Leben in ernste Gefahr bringt.

Markus Heitz stützt seine Romanhandlung auf geschichtliche Ereignisse. 1764, während der Herrschaft des Königs Ludwig dem 15., kam es im Gévaudan zu grausamen Morden, die nicht aufgedeckt werden konnten. Durch Treibjagden versuchte man die "Bestie des Gévaudan" zu erledigen und Frieden in den Süden Frankreichs zu bringen.

Der Autor

Markus Heitz wurde am 10. Oktober 1971 in Homburg (Saarland) geboren. Seine Romane sind fiktiv, Fantasyromane sind sein Spezialgebiet. 1991 schloss er seine Laufbahn am Gymnasium mit dem Abitur ab. Nach einem Jahr Wehrdienst, begann er mit dem Studium. Bis ins Jahr 2000 studierte er Geschichte und Deutsch auf Lehramt. Mit der Zwergen-Saga (2003-2005) schaffte er endlich den Durchbruch als Autor. Von 2002 bis heute schrieb/schreibt er die Ulldart-Saga, die bisher aus 8 Büchern besteht, der neunte ist für dieses Jahr geplant. Die Bücher über die Bestie im Gévaudan waren Bestseller. Mit dem 2. Teil Sanctum schloss er seine Erzählungen über den Loup-Garou ab.
(Quelle: Wikipedia)

Fazit

Mich erinnert das Buch an den Film "Der Pakt der Wölfe", denn dieser erzählt von den gleichen Begebenheiten im Gévaudan, jedoch in einer anderen Version. Die Figuren der Familie Chastel im 18. Jahrhundert sind wunderbar beschrieben und mit ganz eigenen Eigenschaften versehen. Der junge Eric Kastell, der Unbesiegbare, kommt einfach, und mir fällt einfach kein besseres Wort ein, "cool" rüber. Auch wenn er überzeichnet wird, sind die Ereignisse in der Neuzeit meine Lieblingspassagen.
Zum Abschluss muss ich noch erwähnen, dass die Begebenheiten im 18. Jahrhundert weitesgehend wahr sind. Die Geschichte im 21. Jahrhundert ist reine Fiktion. Mir gefällt das Buch sehr gut, auch das Cover ist wunderbar gestaltet, deshalb gebe ich 9 von 10 Punkten...

...trotz des offenen Endes.

(dc)